Kapsulitis am Schultergelenk.

Die eingefrorene Schulter

Adhäsive Kapsulitis, oder auch „frozen shoulder“ genannt, ist eine schmerzhafte Erkrankung der Schulter. Sie führt zu einem erheblichen Bewegungsverlust des Schultergelenkes. Die Kapsulitis kann nach einem Unfall auftreten, oder auch langsam und spontan, ohne Vorwarnung entstehen. Bei einer Kapsulitis führt eine Entzündung dazu, dass die lockeren Kapselschichten aneinander kleben. Dies führt zu einer erheblichen Einschränkung der Beweglichkeit. Die Schulter „friert quasi ein“ – eine „frozen shoulder“.

Ursachen der Kapsulitis


Bei der „frozen shoulder“
ist eine verklebte Gelenkkapsel ursächlich.

Die Ursachen einer adhäsiven Kapsulitis sind weitgehend ungeklärt.
Nach der einen Theorie liegt eine autoimmune Reaktion
zu Grunde. Bei einer Autoimmunreaktion beginnt das Immunsystem,
dass normalerweise der Infektabwehr dient, fälschlicherweise
körpereigenes Gewebe anzugreifen. Dies ruft dann
eine heftige Entzündungsreaktion in dem angegriffenen Gewebe
hervor.

Keiner weiß, warum dies so plötzlich auftritt. Eine Kapsulitis kann
nach einem Unfall, einem Bruch oder einer Operation beginnen.
Sie kann auch entstehen, wenn das Schultergelenk nicht ausreichend
bewegt wird, beispielsweise nach einem Unterarmbruch
mit langer Ruhigstellung in einer Schlinge. Eine frozen shoulder
kann auch nach Operationen auftreten, die nicht an der Schulter
durchgeführt wurden – sogar in der Erholungsphase nach einem
Herzinfarkt.

Andere Erkrankungen an der Schulter, wie Schleimbeutelentzündungen,
Sehenrisse und Einklemmungsphänomene können
mit einer adhäsiven Kapsulitis enden. Manche Ärzte spekulieren,
dass die ursprüngliche Störung an der Schulter zu einer chronischen
Entzündung führe.

Der Schmerz wiederum lässt den Patienten die Schulter weniger
benutzen. In der Regel muss dann zunächst die Kapsulitis
behandelt werden, bevor die zu Grunde liegende Störung angegangen werden kann.

Symptome und Diagnostik



Im Vordergrund stehen Schmerzen in der Schulter und eine
deutlich eingeschränkte Beweglichkeit. Dabei macht es keinen
Unterschied, ob Sie die Schulter selber aktiv bewegen, oder
jemand versucht Ihre Schulter passiv zu bewegen. Am Bewegungsanschlag
schmerzt typischerweise das Schultergelenk
durch den Dehnungsreiz auf die entzündlich veränderte Kapsel.

Die Behandlung erfordert
Geduld und Ausdauer.

Mit Hilfe Ihrer Vorgeschichte und den charakteristischen klinischen
Symptomen fällt die Diagnostik einer frozen shoulder
üblicherweise nicht schwer. Normale Röntgenbilder dienen bei
der Diagnostik nur zum Ausschluss anderer schwerwiegender
Erkrankungen. Gelegentlich werden Arthrografien, also Injektionen
von Kontrastmittel in das Schultergelenk veranlasst. Dabei
lässt sich wegen der Kapselschrumpfung nur sehr wenig Flüssigkeit
in das Gelenk einbringen. Die Röntgenbilder zeigen dann
auch nur eine sehr geringe Kontrastmittelmenge im Gelenk.

Wenn sich Ihre Schulterbeweglichkeit nicht bessert, kann Ihr(e)
Ärztin/Arzt eine Kernspintomografie veranlassen, um zugrunde
liegende Erkrankungen, wie einen Sehnenriß oder ein Einklemmungsphänomen
auszuschließen.

Konservative Therapie


Die Therapie einer adhäsiven Kapsulitis kann frustrierend langsam
verlaufen. In den meisten Fällen tritt eine Besserung ein.
Der Prozess kann jedoch Monate in Anspruch nehmen. Das
erste Behandlungsziel ist, die Entzündung zu dämpfen und
die Beweglichkeit zu steigern. Ihr(e) Ärztin/Arzt kann auch eine
Gelenkinjektion mit einem Kortisonpräparat und einem langwirkendem
Lokalanästhetikum empfehlen.

Eine weitere wesentliche Maßnahme ist die Verordnung
von Krankengymnastik und physikalischer Therapie. Ihr(e)
Krankengymnast(in) wird eine Vielzahl von Techniken anwenden,
um die Entzündung zu bekämpfen. Dehnungsübungen, Gelenkmobilisation,
manuelle Techniken und Muskelaufbau helfen, das
Bewegungsausmaß der Schulter wieder zu steigern.
Ihnen werden auch Dehnungsübungen für die Eigenarbeit zuhause
gezeigt, die unerlässlich sind.

Operative Therapie



Mobilisation in Narkose
Falls sich Erfolge bei der alleinigen konservativen Therapie zu
langsam einstellen, kann die Mobilisation der Schulter in Narkose
sinnvoll sein. Während der Patient schläft, wird die Schulter mit
Kraft und der richtigen Technik durch bewegt. Hierbei wird die
Gelenkkapsel gedehnt und narbige Verklebungen gelöst. In den
meisten Fällen bringt eine Narkosemobilisation die Beweglichkeit
schneller zurück, als die konservative Therapie alleine.

Die Schlüssellochoperation
(Arthroskopie) am Schultergelenk ist seit vielen Jahren
eine Routineoperation.

Arthroskopisches Release
Wenn deutlich wird, dass Krankengymnastik und Narkosemobilisation
nicht den gewünschten Erfolg führen, kann ein Gelenkspiegelung
erforderlich sein. Der Operateur benutzt dann eine
Kamera und Instrumente, um im Rahmen einer „Schlüssellochoperation“
die verklebte Kapsel zu lösen. Am Ende des Eingriffs
wird die Schulter noch vorsichtig durchbewegt, um zusätzliche
Beweglichkeit zu gewinnen. Oft wird nochmals ein Kortisonpräparat
injiziert, um postoperative Reizungen zu dämpfen.

Rehabilitation



Sowohl bei rein konservativem Vorgehen, als auch nach einem
operativen Eingriff, müssen zunächst Maßnahmen ergriffen werden,
um den Schmerz zu kontrollieren. Wenn Ihre Schulter dann
bereit ist, kann eine Sitzung beispielsweise mit feuchter Wärme
oder Ultraschall beginnen. Diese Behandlung entspannt die
Muskulatur und bereitet das Gewebe auf die Dehnungsübungen
vor.

Ihr(e) Therapeut(in) wird sich auf die Lockerung der Gelenkkapsel
konzentrieren. Eine gute Dehnung erreichen Sie auch mit einem
Flaschenzug überkopf.

Wenn Sie Injektionen von Ihrer(m) Ärztin/Arzt erhalten, sollten Sie
die Krankengymnastik direkt im Anschluss einplanen. Die zusätzliche
Flüssigkeit dehnt Ihr Gelenk und die Mobilisationsübungen
können effektiver gestaltet werden.

Nach einer Operation werden Sie Ihren Arm täglich intensiv
bewegen müssen. Kräftigungsübungen sollten erst nach vier
bis sechs Wochen begonnen werden. Nach einer Mobilisation
ist es sinnvoll, Ihnen eine sogenannte CPM- oder Bewegungs-
Maschine (continuous passive motion) zu verschreiben. Gleich
nach der Operation wird Arm durchbewegt. Durch die ständige
Bewegung soll einer wiederkehrenden Einsteifung durch erneute
Narbenbildung entgegen gewirkt werden.

Nach ca. 6 Wochen konzentrieren sich die Übungen auf eine
Kräftigung der Scultersehnenplatte und der Schultergürtelmuskulatur.
Ihr(e) Krankengymnast(in) wird Ihnen helfen, die Muskeln
wieder aufzubauen, die den Oberarmkopf in der Pfanne zentrieren.
Hierdurch kann Ihr Oberarm wieder glatt unter das Acromion
gleiten.

Wenn die Beweglichkeit zurück erlangt wurde, enden die regelmäßigen
Besuche bei Ihrer(m) Physiotherapeutin(en). Allerdings
müssen Sie zuhause weiter ein regelmäßiges Dehnungsprogramm
für die Schulter beibehalten, um Rückschlägen vorzubeugen.