Kniegelenkarthrose

Allgemeine Informationen


Was ist eine Arthrose?



Unter Arthrose versteht man einen „Gelenkverschleiß“, der das altersübliche Maß übersteigt. Das heißt, der Knorpel geht langsam zu Grunde.


Welche Formen gibt es und was ist die Ursache?


Wir unterscheiden zwischen primärer und sekundärer Arthrose.


Wir unterscheiden eine „primäre“ Arthrose, bei der man von einer biologischen Minderwertigkeit des Knorpelgewebes ausgeht von einer so genannten „sekundären“ Arthrose.  Hierbei steht im Vordergrund eine übermäßige Belastung des Gelenkes wobei das Übergewicht und Achsabweichungen wie X- oder O-Beine hier eine dominierende Rolle spielen. Auch Instabilitäten, wie z.B. nicht versorgte vordere Kreuzbandrupturen führen auf Dauer zu einer Arthroseentwicklung.

Die Arthrose kann ebenfalls als Folge von entzündlichen, meist rheumatischen Erkrankungen auftreten. Grundsätzlich können alle Gelenke eine Arthrose entwickeln. In Deutschland ist das Kniegelenk am häufigsten betroffen.


Welche Stadien werden unterschieden?


Die Arthrose entwickelt sich in vier Stadien.


Wir unterscheiden vier Stadien der Arthroseentwicklung:

  • Im Stadium 1 finden wir eine Ausdünnung und Aufweichung der Knorpelschicht.
  • Im Stadium 2 treten dann bereits kleine Risse und Aufrauungen der Knorpeloberfläche auf.
  • Im Stadium 3 kommt es dann zu tieferen Defekten, der Knorpel wird teilweise durch minderwertigeres Gewebe ersetzt.
  • Im Stadium 4 liegt der Knochen großflächig frei. Um den Druck auf das Gelenk zu reduzieren, bilden sich so genannte Osteophyten (Randwülste am Knochen) aus.

Welche Untersuchungen sind notwendig?



Nach der Erhebung der Krankengeschichte schließt sich die klinische Untersuchung des Gelenkes an. Wir untersuchen die Funktion, die Beweglichkeit, beurteilen die Beinachse und können gegebenenfalls mittels einer Ultraschalluntersuchung einen Erguss im Kniegelenk erkennen.

Neben einer ausführlichen Anamnese sind bildgebende Diagnostiken wie z.B. Röntgen oder DVT wichtig, um das Ausmaß der Arthrose beurteilen zu können.

Bezüglich der weiteren bildgebenden Diagnostik steht hier das Röntgenbild an erster Stelle. Wir achten dabei auf eine Verschmälerung des Gelenkspaltes, eine Sklerose (reaktive Knochenverdichtung unterhalb des Gelenkspaltes), Osteophyten und Zystenbildungen.

Fast immer kann dadurch die Diagnose bzw. das Ausmaß der Arthrose ausreichend beurteilt werden. Zur genaueren Planung der weiteren Therapie können noch Röntgenbilder des ganzen Beines im Stehen zur Beurteilung der Beinachse oder so genannte Stressaufnahmen sinnvoll sein. Bei letzteren wird das Knie in einem speziellen Apparat unter (schmerzfreien!) Stress gebracht, indem es in vermehrte X- oder O-Bein Richtung gedrückt wird. Dadurch kann die Weite des Gelenkspaltes sehr gut beurteilt werden.

Auch die Digitale Volumentomografie (DVT) kommt bei uns vermehrt zur Anwendung. Hier können in einem extrem strahlungsarmen hochmodernen Verfahren feinste Veränderungen am Knochen wie Zysten, knöcherne Anbauten etc. sehr exakt dargestellt werden.

Im Anfangsstadium einer Arthrose bzw. eines Knorpelschadens ist die Kernspintomografie (MRT) aus der Diagnostik weiterhin nicht wegzudenken.


Welche Therapiemöglichkeiten gibt es?


Arthrose ist immer noch nicht heilbar. Es gibt jedoch eine Vielzahl von Therapien.


Leider ist die Arthrose, egal welche Ursache sie hat, immer noch nicht heilbar.

Einmal streben wir natürlich nach Schmerzfreiheit oder zumindest einer deutlichen Schmerzreduktion, zum Zweiten möchten wir mechanische Einschränkungen oder Veränderungen des Gelenkes verhindern.

Im Anfangsstadium empfehlen wir ausreichende Bewegung ohne Überlastung und ganz besonders die Vermeidung bzw. Reduktion von Übergewicht.

Unterschiedliche Medikamente kommen zur Schmerzreduktion und Entzündungshemmung in Frage. Hierzu zählen wir Nicht Steroidale Antirheumatika (NSAR) wie Diclofenac, Ibuprofen oder die Cox 2 Hemmer. So genannte SYSADOA (Symptomatic Slow Acting Drugs in Osteoarthritis) sind nicht direkt schmerzlindernd und beeinflussen den Verlauf der Krankheit nicht.

Einlagen können den betroffenen Kniegelenkanteil entlasten.

Bei Achsabweichungen, wie O- oder X-Beinen, die typischerweise den Verschleiß auf der Innen- bzw. Außenseite des Kniegelenkes hervorrufen, kann man den betroffenen Kniegelenkanteil mit Einlagen oder Schuhzurichtungen entlasten. Auch spezielle Bandagen oder Orthesen kommen hier zur Anwendung.

Durchaus hilfreich können auch Physiotherapie zum Erhalt der Gelenkfunktion, Wärmeanwendungen und Eigenübungen in Bädern sein.

Der Nachweis einer wirksamen Therapieform bei Arthrose ist insofern schwierig, da im Verlauf der Krankheit schmerzlose mit schmerzhaften Phasen abwechseln.

Hyaluronsäure ist ein wesentlicher Bestandteil der Gelenkflüssigkeit.

Ein wesentlicher Bestandteil der Gelenkflüssigkeit im Kniegelenk ist die Hyaluronsäure. Diese wird in einem arthrotisch veränderten Gelenk nur unzureichend produziert. Sie hat im Wesentlichen drei Eigenschaften: eine mechanische im Sinne einer besseren „Schmierung“, eine ernährende für den Knorpel und zum dritten wird das „Arthrosemilieu“ verbessert. Hier kommen also biochemische Effekte zum Tragen, die noch nicht ins Detail erforscht sind.

Für die Wirksamkeit sprechen auch neuere Forschungsergebnisse, die bei der Arthroseentstehung mehr biochemische als mechanische Faktoren annehmen. So profitieren nicht selten auch Patienten, die unter einer Arthrose im fortgeschrittenen Stadium leiden, von Hyaluronsäureinjektionen.

Alternativ können auch Injektion mit Eigenblut, so genanntes „platelet rich plasma“ PRP oder „thrombozytenreiches Plasma“ erfolgen. Hier setzt man auf körpereigene Wachstumsfaktoren und entzündungshemmende Einflüsse, um die Arthrosentwicklung zu bremsen.

Auch die DMOAD (siehe oben) im Sinne von Nahrungsergänzungsmitteln oder so genannte „Diätetischen Lebensmittel“ haben durchaus ihren Stellenwert. An erster Stelle sind hier die Substanzen Glucosamin und Chondroitin zu nennen, die bei positiver Disposition die Symptome der Arthrose etwas verbessern oder ihr weiteres Fortschreiten verzögern können.

Leider werden alle diese Präparate bzw. Injektionen von den gesetzlichen Krankenkassen prinzipiell nicht erstattet. Nichtsdestotrotz gibt es viele Möglichkeiten das Fortschreiten der Arthrose zumindest zu verzögern. Diese sollten in einem persönlichen Gespräch beurteilt werden. Ist Ihre Arthrose zu weit fortgeschritten, so dass diese Therapien  nicht mehr Erfolg versprechend sind, werden wir Ihnen dies auch so mitteilen und mögliche operative Maßnahmen mit Ihnen besprechen.