Der Hallux valgus.

Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten


Was ist ein Hallux valgus?


Häufigste Ursache für einen Hallux Valgus: Schlecht sitzende Schuhe, die zu lange getragen werden. Ausserdem kann er vererbt werden.

Wodurch kommt es zum Hallux valgus?


Es geht auch ohne Operation:
ein schmerzfreier Hallux
valgus muss nicht zwingend
chirurgisch behandelt werden.

Die bei weitem häufigste Ursache für die Ausbildung eines Hallux valgus ist das zu lange Tragen von schlecht sitzenden Schuhen. Diese Schuhe haben meist eine enge und spitze Zehenbox, die die Zehen in eine unnatürliche Stellung presst. Ein Hallux valgus kann auch durch eine Arthose oder rheumatoide Arthritis oder neurologische Grunderkrankung als sogenannter „sekundärer Hallux valgus“ entstehen. Eine vererbliche Komponente spielt ebenfalls eine Rolle. In einer Studie der American Foot and Ankle Society wurde festgestellt, dass 88% der amerikanischen Frauen zu enge Schuhe trugen und dass 55% eine Hallux valgus-Fehlstellung hatten. Es wundert daher nicht, dass Frauen 9 Mal so häufig betroffen sind als Männer.

Prophylaxe und konservative Therapie des Hallux valgus

Es geht auch ohne Operation:
ein schmerzfreier Hallux
valgus muss nicht zwingend
chirurgisch behandelt
werden.

Die Ballen an der Innenseite der Großzehe werden oft schmerzhaft, wenn die Fehlform mit der Zeit zunimmt. Es verschlimmern sich jedoch längst nicht alle Verläufe beim Hallux valgus. Viele der Beschwerden können auch ohne chirurgischen Eingriff gelöst werden. Allgemein gesagt, braucht ein schmerzfreier Hallux valgus nicht zwingend eine operative Korrektur. Daher wird Ihnen Ihr Arzt/Ärztin bei fehlenden Schmerzen auch keinen „vorbeugenden Eingriff“ empfehlen. Mit der richtigen Behandlung, kann die Entstehung eines echten Problemes unter Umständen sogar ausbleiben. In der überwiegenden Mehrzahl der Fälle können Schmerzen beim Hallux valgus einfach dadurch behandelt werden, in dem Sie zu passenden Schuhen wechseln. Wichtig ist, dass die Zehen keinen seitlichen Druck erhalten. Messen Sie doch mit einem Lineal einmal die Breite Ihres nackten Fußes bei Belastung im Stehen und vergleichen Sie die Breite mit der Schuhbreite auf der Unterseite der Sohle…

Tipps für den Schuhkauf

Ihre Zehen brauchen Platz im Schuh!

Die meisten unten aufgeführten Hinweise hören sich so banal und selbstverständlich an. Man wundert sich daher mit welchem Schuhwerk viele Patienten trotzdem laufen können.

  • Kaufen Sie nicht einfach einen Schuh nach der markierten Schuhgröße. Je nach Hersteller und Modell können die Zahlengrößen erheblich voneinander abweichen. Beurteilen Sie den Sitz des Schuhs an Ihrem Fuß.
  • Wählen Sie einen Schuh, der Ihrer eigenen Fußform so weit wie möglich Rechnung trägt.
  • Lassen Sie Ihre Fußgröße regelmäßig nachmessen. Füße können mit zunehmendem Alter auch größer werden, bzw. ihre Stabilität des Vorfußes verlieren.
  • Lassen Sie beide Füße ausmessen. Die meisten Menschen haben einen größeren Fuß. Wählen Sie die Schuhgröße nach dem größeren Fuß aus.
  • Stellen Sie sich beim Anprobieren hin und vergewissern Sie sich, dass Sie ausreichend Platz für den größten Zeh in dem Schuh haben.
  • Kaufen Sie keine zu engen Schuhe und hoffen dann darauf, dass sie etwas nachgeben.
  • Ihre Ferse sollte bequem in die Fersenbox passen, guten Halt bieten und höchsten minimal rutschen können.
  • Laufen Sie eine zeitlang hin und her, damit Sie sicher sind, dass die Schuhe wirklich passen. Seien Sie wählerisch.
  • Bedenken Sie die unterschiedlichen Ansprüche an das verwendete Schuhwerk
  • Eine spezielle Abstützung im Schuh bzw. Einlage kann das Gewicht auf den Vorfußbereich besser verteilen und so Beschwerden lindern.
  • Versuchen Sie extraweite Schuhe mit weiteren 1,5cm Platz in der Zehenbox.

Einlagenversorgung

Einlagen sollten auf Basis
einer dynamischen Messung
gefertigt werden. So können
wir Sie exakt und individuell
versorgen.

Das System ermöglicht folgende Messungen:

Als Basis für die Fertigung von Einlagen ist eine dynamische Messung sinnvoll. Der Arzt und Techniker erhalten hier ein genaueres Bild Ihrer Füße. Die vollständige Messung ist keine IgeL-Leistung.

Mittels einer Plattform wird die präzise Fußstellung und die eingeleiteten Druckkräfte sowohl bei statischen als auch bei dynamischen Abläufen erfasst. Somit ist eine exakte Erfassung der Fußreaktionskräfte und der Körperschwerpunkte im Stehen und Gehen möglich. Die Software ermöglicht es, die in Echtzeit dargestellte Fußdruckverteilung für die individuelle Patientenversorgung zu übernehmen. Die ausgereifte Messtechnologie bietet hohe Sensitivität und Auflösung.

  • statische Fußdruckmessung zur Erfassung der Druckverhältnisse im Stehen
  • statische Gleichgewichts- bzw. Schwerpunktermittlungen für jeden einzelnen Fuß und für den gesamten Körper, um Haltungsdefizite zu erfassen
  • Messungen im Gehen zur Erfassung der dynamischen Druckverteilung an den Füssen sowie zur Erfassung des Gangbildes und Gleichgewichtsverhaltens des Körpers, um diese mittels der speziellen von uns mit entwickelten Software bei der Einlagenversorgung zu berücksichtigen.

Nur so ist eine exakte patientenindividualisierte Versorgung gewährleistet.

Ist die Operation eine Option für Sie?


Einen Hallux valgus sollten
man nicht aus rein kosmetischen
Gründen operieren
lassen!

Falls Ihnen die konservative Therapie keine wesentliche Besserung bringt, kann man einen operativen Eingriff in Betracht ziehen. In vielen Studien wurde bestätigt, dass 85-90% der Patienten mit dem Ergebnis ihren Hallux valgus Operation zufrieden waren. Sie sind dann ein guter Kandidat/Kandidatin für eine Hallux valgus Operation wenn:

  • …heftige Fußschmerzen Ihre täglichen Aktivitäten behindern und es unmöglich machen, adäquates Schuhwerk zu tragen. Ihre schmerzfreie Gehstrecke kann dabei auf wenige 100m beschränkt sein.
  • …Ruhe- bzw. Nachtschmerzen in den betroffenen Gelenken ihre Lebensqualität einschränken.
  • …Sie eine zunehmende Steifheit im Großzehengrundgelenk haben, so dass Sie Schwierigkeiten beim Abrollen haben.

Wenn Sie sich zum Thema Operationen bei Hallux valgus informieren, dann müssen Sie sich im Klaren darüber sein, dass „minimale“ oder „schnelle“ Korrekturen manchmal mehr schaden als nutzen. Erwarten Sie nicht einen perfekten Fuß nach einem operativen Eingriff. Das Ziel des Eingriffs ist, die Schmerzen zu reduzieren bzw. zu beseitigen und eine Fehlstellung gemäß der anatomischen Vorgaben zu korrigieren. Die primäre Aufgabe einer OP ist nicht die kosmetische, sondern eine funktionelle Korrektur. Dies beinhaltet eine Analyse der meist komplexen Pathologie, die der Fehlstellung zu Grunde liegt.

Varianten der Hallux Valgus Chirurgie


Korrektur nach Chevron

Korrektur durch Mittelfuß-Versteifung nach Lapidus

Ihrem Operateur stehen viele verschiedene Techniken zur Verfügung, die er je nach Schweregrad und Ausgangssituation einsetzen wird. Das gemeinsame Ziel dieser Verfahren ist, das Gelenk zu begradigen, die Funktion zu verbessern, um so Schmerzen zu vermindern. Bei der Wahl der Operationsmethode muss neben dem gesamten Fuß auch die restliche Beinachse berücksichtigt werden. Eventuell müssen zusätzliche gelenkerhaltende Maßnahmen am Knochen durchgeführt werden. Ziel aller operativen Maßnahmen ist die anatomische Rezentrierung des Köpfchens des I. Mittelfußknochens über den Sesamoiden. Neben den knöchernden Korrekturen sind hier immer auch entsprechende Weichteileingriffe notwendig. Es gilt auch die das Restrisiko eines erneuten Hallux valgus zu reduzieren. Einen wesentlichen Einfluss auf das Langzeitergebnis hat das Ausmaß der Arthrose im Gelenk, welche durch die oft lange bestehende Fehlstellung sehr ausgeprägt sein kann.
Einige der häufigsten Operationsverfahren sind näher erläutert:

Weichteilkorrektur der Großzehe (OP nach Schede).
Sehnen und Bänder können auf der äußeren Seite zur straff und auf der Gegenseite zu locker sein. Hierdurch entsteht eine Imbalance, die dazu führt, dass die Großzehe nach außen driftet. Diese OP-Technik verlängert bei guten Gelenkverhältnissen und moderater Fehlstellung zu straffes Gewebe und kürzt zu lockere Strukturen. Sie wird häufiger auch mit einer knöchernen Korrektur kombiniert.

Exostosenabtragung (Cheilektomie)
Hier werden die Knochenvorsprünge (Exostose) und der Ballen entfernt. Dieser Eingriff macht als alleiniger Eingriff nur Sinn, wenn sonst keine wesentliche Fehlstellung der Großzehe vorliegt. Deshalb ist dieser Eingriff nur selten alleine indiziert, zumal er die Ursache des Hallux valgus nicht entsprechend behandelt.

Dreidimensionale Achskorrektur des Knochens (Osteotomie nach Chevron)
Ziel der angewandten OP-Verfahren ist eine dreidimensionale, gelenkerhaltende Achskorrektur, kombiniert mit einer entsprechenden Weichteilkorrektur des Großzehengrundgelenkes. Hierbei wird der Knochen an unterschiedlichen Stellen durchtrennt und in korrigierter Stellung wieder z.B. mit Titanschrauben fixiert. Je nach Fehlstellung und unter Berücksichtigung der gesamten unteren Extremität wird das geeignete Verfahren für Ihre Fehlstellung ausgewählt.

Die ersten drei genannten Verfahren werden häufig kombiniert durchgeführt.
Die Nachbehandlung erfolgt in der Regel mit einem entlasten den Verbandsschuh, welcher eine Belastung des operierten Fußes erlaubt. Dieser Schuh wird für mindestens 4 Wochen getragen. Bei regelrechter Röntgenkontrolle kann dann bereits auf einen weiten Konfektionsschuh mit einer entsprechenden Einlagenversorgung gewechselt werden.

Korrigierende Versteifung zwischen dem 1. Mittelfußknochen und der Fußwurzel (Operation nach Lapidus modifiziert nach Rippstein)
Bei besonders fortgeschrittener Fehlstellung und meist begleitend vorliegender übernormaler Beweglichkeit im Gelenk zwischen 1. Mittelfußknochen und der Fußwurzel kann dieser Eingriff notwendig werden. Das o.g. Verfahren nach Chevron kann dann an seine Grenzen stoßen, eine ausreichende Korrektur ist so nicht mehr möglich und ein zusätzlich erhöhtes Rezidivrisiko wäre zu erwarten. In diesem Fall wird eine Versteifung zwischen dem 1. Mittelfußknochen und dem 1. Fußwurzelknochen in der korrigierten Stellung durchgeführt („Arthrodese nach Lapidus“ modifiziert nach Rippstein). Die Knochen werden mit Schrauben und/oder einer speziellen Titanplatte miteinander verbunden. Der Unterschied zu der Kombination der drei erst genannten Verfahren besteht für Sie hauptsächlich in der Nachbehandlungsart und –dauer, die Knochenheilung dauert länger.

In der ersten Zeit nach der Operation wird nur eine Teilbelastung des Fußes zugelassen, wobei der Fuß und das Sprunggelenk zunächst meist in einem abnehmbaren Kunststoffstiefel ruhig gestellt werden. Die Vollbelastung in einem von einem Orthopädietechniker zugerichteten Konfektionsschuh mit  Sohlenversteifung und Abrollhilfe wird in der Regel nach 6-8 Monaten erreicht, sofern die radiologische Kontrolle einen ausreichende Durchbauung aufweist.

Grundgliedosteotomie nach Akin
Liegt eine Fehlstellung zusätzlich im Großzehengrundgelenk vor (sog. Hallux valgus interphalangeus) kann diese in der Regel zu o.g. Verfahren ergänzende Maßnahme indiziert sein: Hierbei handelt es sich um eine gelenknahe Korrektur im Bereich der Basis des Großzehs ohne das Gelenk zu zerstören. Bei der Akin-Osteotomie wird ein Knochenkeil auf der Innenseite entnommen und meist mittels eines stabilen Fadens stabilisiert. Das Einbringen zusätzlichen Metalles (Schraube o.ä.) ist hier selten notwendig

Zusatzeingriffe
Häufig liegen weitere Fehlstellungen z.B. der Zehen vor (Krallenzehen/ Hammerzehen). Diese werden dann in gleicher Sitzung mitbehandelt. Hierzu finden Sie gesonderte Informationen mit dem Thema „Hammer- und Krallenzehen“.