Fußdeformitäten an Mittel- und
Rückfuß – Der Platt-/Knick-Senkfuß


Was ist ein Plattfuß bzw. Knick-Senkfuß?


Plattfuß: verminderte Statik
und Belastbarkeit durch
Zusammenfall des gesamten
Fußskeletts: Arthrosenbildung
ist vorprogrammiert!

Viele Vorfußdeformitäten sind mit einer Fehlform des Mittel- und/ oder Rückfußes verbunden. Beim Plattfuß kommt es zur Abflachung des Fußgewölbes. Die Fußsohle kann vollständig platt gedrückt sein, im Extremfall sogar als sog. Tintenlöscherfuß mit einer nach unten runden Form. Dabei ist er oft mit einem Knicksenkfuß kombiniert, welcher eine Abknickung des Rückfuß nach innen (Rückfußvalgus) und eine Abweichung des Vorfußes nach außen (Vorfußabduktion) aufweist.

Beim Plattfuß fällt das gesamte Fußskelett zusammen, was zu einer Verminderung der Statik und Belastbarkeit des Fußes sowie im weiteren Verlauf zur Arthrosenbildung führt. Beschwerden können durch die innenseitig an der Sohle prominenten Rückund Mittelfußknochen, die nun bei Belastung gegen den Boden drücken oder durch die entstandene Arthrosen im Rückfuß auftreten. Es besteht aber kein direkter Zusammenhang zwischen Schwere des Plattfusses und Beschwerden.

Der Tibialis posterior-Muskel (TP) ist der wichtigste Muskel für die Einwärtsdrehung und die Statik des Fußes. Er entspringt an der Rückseite des Unterschenkels und verläuft hinter dem Innenknöchel vorbei zum Übergang zwischen Rückfuß und Fußwurzel, wo er fächerförmig ansetzt. Bei Insuffizienz (strukturelle Schwäche) oder Defekt der Sehne kann der Fuß nicht mehr oder schlecht gegen Widerstand einwärts gedreht werden. In der Folgezeit kommt es dann zum Einbruch des Fußlängsgewölbes mit allen Fehlbelastungsfolgen, wie zum Beispiel Arthrosen am Rückfuß.

Evtl. funktionelle Beinverkürzung
durch Absinken und
Einwärtsdrehung des Fußes
kann u.U. zu Folgebeschwerden
z.B. im Bereich
der Wirbelsäule führen.

Zusätzlich kann es durch das Absinken des Fußes und die Einwärtsdrehung zu einer funktionellen Beinverkürzung kommen. Dabei wird die Einwärtsdrehung im Sinne einer Innenrotation der Beinachse verstärkt. Im ungünstigsten Fall bewirkt die Zunahme der X-Beinstellung einen Beckenschiefstand und den daraus resultierenden Beschwerden: Blockaden des Ileosacral-Gelenkes und der unteren LWS mit Ischiasschmerzen. Nicht selten setzen sich diese Blockaden bis zur Schädelbasis fort und können im Extremfall zu therapieresistenen Kopf- und Kiefergelenksbeschwerden führen.

Ursachen für die Tibialis posterior-Insuffizienz können degenerativer oder traumatischer/unfallbedingter Herkunft sein. Grundkrankheiten wie die chronische Polyarthritis, Bindgewebserkrankungen und andere führen zur schleichenden Degeneration der Sehne. Die Sehne reißt sehr häufig im Bereich des Innenknöchels. Bei dieser degenerativen Form sind vor allem Frauen über 40 Jahren betroffen, hingegen bei der traumatischen jüngere Sportler (Basketballspieler, Tennisspieler, Tänzer).

Die Insuffizienz der Sehne lässt sich im Frühstadium am besten mit der klinischen, einer MRT- oder Ultraschalluntersuchung diagnostizieren. Im Spätstadium ist dies auch indirekt mit einem Fuß Röntgenbild möglich. Im Anfangsstadium der Erkrankung kommt es zu Schwellung und Schmerz hinter dem Innenknöchel. Dieses Stadium ist mit einer Reizung der Sehnenscheiden vergesellschaftet. Im mittleren Stadium lässt sich zusätzlich ein innenseitiges Einsinken des Fußes und eine leichte Verschiebung des Vorfußes nach außen feststellen.

Bei der Sehne liegt hier eine Verlängerung (Elongation) vor. Im fortgeschrittenen Stadium ist der Rück- und Mittelfuß zusammengebrochen, der Vorfuß ist stark nach außen verschoben (abduziert). Oft lassen sich in diesem Stadium dann die Schmerzen auch in der Gegend des Außenknöchels lokalisieren.

Konservative Therapie des Knick-Senkfußes


Eingebrochenes Fußgewölbe

Therapeutisch wird der Knick-Senkfuß im Anfangsstadium mit einer orthopädischen Fußbettung, d.h. mit maßgefertigten Einlagen, medial aktivierend, einer Physiotherapie (z.B. mit Spiraldynamik) und/oder entzündungshemmenden Medikamenten angegangen. Lokale Kortison-Injektionen stellen wegen der Gefahr der Sehnenschädigung eine Ausnahme dar.

Ziel ist eine funktionelle Verbesserung der Statik des Längsgewölbes mit Kräftigung der Stabilisatoren. Vorraussetzung hierfür
ist, dass die strukturellen Schäden der Fehlstellung eine aktive Aufrichtung des Fußes noch ermöglichen.

Ein besonderes Augenmerk gehört hier auch der sehr individuellen Einlagenversorgung.

Operative Therapie des Knick-Senkfußes


Fußgewölbe nach OP wieder
aufgerichtet

Bei Versagen dieser konservativen Maßnahmen oder schwerer Fehlstellung ist ein operatives Vorgehen zur Wiederherstellung
des Längsgewölbes gegeben. Je nach Ursache wird der Plattfuss an den Weichteilen (Bänder, Sehnen, Gelenkkapsel) und/ oder auf Knochenebene (Osteotomien oder Versteifung von Rückfußgelenken) korrigiert.

Das Ziel der operativen Versorgung ist die Wiederherstellung der Fußwölbung, der Statik und das Erreichen einer gleichmäßigen
Druckverteilung an der Sohle. Konkret korrigieren wir bei Knick-Senk-Fuß- und Plattfußdeformitäten die Fehlstatik des Fußes. Je nach Stadium der Sehnenschwächung und der Arthrosen in der Fußwurzel wird die Tibialis posterior-Sehne gerafft oder durch eine Sehnentransplantation verstärkt.

Bei fortgeschrittener struktureller Deformität wird häufig eine Versteifung der arthrotisch veränderten Gelenke zwischen Sprungbein und Fußwurzel (talo-navikulare Arthrodese) oder innerhalb der Fußwurzel (naviculo-cuneiforme Arthrodese) erforderlich.

Wenn gleichzeitig eine Vorfußdeformität (Hallux valgus, Hammerzehen oder Transfermetatarsalgie) vorliegt, muss die Korrektur des Rückfußes vorher oder zumindest zeitgleich zur Korrektur einer vorhandenen Vorfußdeformität erfolgen.

Wenn gleichzeitig eine Vorfußdeformität (Hallux valgus, Hammerzehen oder Transfermetatarsalgie) vorliegt, muss die Korrektur des Rückfußes vorher oder zumindest zeitgleich zur Korrektur einer vorhandenen Vorfußdeformität erfolgen.